|
| |
Solarlexikon
Absorber
(lat.:
Aufnehmer) Der wichtigste Teil des Kollektors nimmt die einfallende
Sonnenstrahlung über eine Trägerflüssigkeit (Wasser +
Frostschutzmittel) auf. Diese wird erwärmt und zirkuliert
zwischen Kollektor und Speicher. Ein hoher Wirkungsgrad wird durch
die Verwendung schwarzer Absorber oder, noch besser, durch selektive
Beschichtung erreicht.

Absorption
Im Absorber wird
die einfallende Strahlung von einer Flüssigkeit oder einem Gas
aufgenommen (absorbiert) und in Wärme umgewandelt. Die so
gewonnene Energie wird über den Solarkreis zum Speicher oder
anderen Wärmeabnahmestellen transportiert. Selektive
Beschichtungen aus Schwarzchrom oder -nickel reduzieren die
Abstrahlverluste: Die kurzwelligen Sonnenstrahlen dringen zum
Absorberboden ein, die langwelligen Wärmestrahlen, die der
Absorber an die Umgebung abgibt, werden jedoch minimiert. Selektiv
beschichtete Absorber weisen Abstrahlverluste von 10 - 40 % auf. Bei
nur geringen Einbußen des Wirkungsgrades können für
die Beschichtung auch Farben wie Gold oder Blau verwendet werden.

Azimutwinkel
Zur effektiven
Nutzung der Sonnenstrahlung werden Module und Kollektoren so
ausgerichtet, dass die solare Ernte möglichst groß
ausfallen kann. Hierbei spielen neben dem Einfallswinkel der Sonne
auch der "Azimutwinkel" und der Neigungswinkel der Module
bzw. Kollektoren eine Rolle. Der Azimutwinkel (ß , im Bild
rechts) gibt an, wie viel Grad die Flächen von Modul oder
Kollektor von der exakten Südausrichtung abweichen. Der
Neigungswinkel (a) betrifft die Abweichung von der Horizontalen.
Untersuchungen belegen, dass Solaranlagen mit einem Azimutwinkel von
etwa 0° und einem Neigungswinkel um 30° optimal ausgerichtet
sind. Doch kleinere Abweichungen sind nicht unbedingt problematisch:
Bei der Orientierung nach Südost oder Südwest können
noch immer rund 95 % der möglichen Ernte eingefahren werden.
Größere Anlagen werden zur Steigerung der Erträge
mit Elektromotoren der Sonne nachgeführt. Siehe auch
Nachführung.

Drain-Back-System
(DBS)
Eine
Solarregelung mit DBS (drain-back, engl.: Rückentleerung) sorgt
für die automatische Entleerung des Solarkreislaufs, wenn die
Anlage abgeschaltet wird oder die Kollektortemperatur außerhalb
eines bestimmten Temperaturbereichs liegt. Die Umwälzpumpe
schaltet sich ab, und das Wasser fließt in einen
Auffangbehälter. Durch ein solches Drain-Back-System werden
sowohl das Einfrieren als auch die Überhitzung der Anlage
vermieden. Der Einsatz von Chemikalien - z.B. Glykol - als
Frostschutz erübrigt sich so.
Grafik:
Funktionsprinzip eines Drain-Back-Systems:
Schaltdifferenz
überschritten, Wärmegewinne möglich, Pumpe in
Betrieb.
Schaltdifferenz
unterschritten, Pumpe abgeschaltet.

Energetische
Amortisation
(Energierücklaufzeit
oder auch Erntefaktor)
Die Zeitspanne,
die eine Solaranlage benötigt, um soviel Energie zu erzeugen,
wie für ihre Herstellung benötigt wurde. Marktübliche
thermische Solaranlagen amortisieren sich nach etwa 4 Jahren - ihre
geschätzte Lebensdauer liegt zwischen 25 bis 30 Jahren. Die
Energierücklaufzeiten von Photovoltaikanlagen sind
vergleichbar: PV-Anlagen auf der Basis von amorphem Silizium haben
laut einer Studie der TU Berlin eine energetische Amortisationszeit
von 17 bis 41 Monaten. Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen
betrieben werden, können sich nicht energetisch amortisieren,
da ständig weitere Brennstoffe verbraucht werden.
Energiebilanz
Energiebilanzen
sind die rechnerische Grundlage für einen möglichst
rationellen Einsatz von Energie. Dabei wird der Aufwand an
Primärenergie der letztlich verfügbaren Nutzenergie
gegenübergestellt. Energiebilanzen können auf errechneten
oder tatsächlich gemessenen Werten beruhen. Sie sind immer auf
ein konkretes Objekt oder eine bestimmte Anwendung bezogen.
Die
Energiebilanz für eine thermische Solaranlage wird nach
folgendem Schema erstellt: Die Sonneneinstrahlung wird mit 100 %
angesetzt. Davon gehen 20 % durch Reflexion verloren. Weitere 30 %
verbraucht der Kollektor selbst durch Aufheizung und Abstrahlung. 15
% entfallen durch Wärmeverluste im Solarkreislauf, im Speicher
und in der Brauchwasserverteilung. Die nutzbare Energie, auch als
Systemwirkungsgrad bezeichnet, liegt dann bei 35 %.
Für Gebäude
verlangt die Wärmeschutzverordnung eine Energiebilanz. Sie
ermittelt den theoretischen Heizwärmebedarf. Er setzt sich
zusammen aus dem Wärmebedarf, der durch Außenwände,
Fenster und Dach verloren geht und dem Lüftungswärmebedarf.
Abgezogen werden davon interne Wärmegewinne (Körper- und
Gerätewärme) und solare Wärmegewinne (Einstrahlung
durch Südfenster).
Die vorab
errechneten Energiebilanzen weichen häufig stark von den
tatsächlich gemessenen ab. Bei Gebäuden liegt dies meist
am individuellen Nutzerverhalten. Bei sehr komplexen
Energiebilanzen, beispielsweise für Volkswirtschaften oder
einzelne Energieträger, werden wichtige Faktoren manchmal nicht
beachtet.
Die Nutzung von
Solarenergie ist in jeder Energiebilanz von Vorteil, denn die
Energiequelle steht kostenlos zur Verfügung.
Erneuerbare
Energien
Sammelbegriff
für diejenigen Energiequellen, die nach menschlichen
Zeitmaßstäben unendlich lange zur Verfügung stehen:
Sonnenenergie, Erdwärme, Gezeitenkraft und Biomasse.

Flachkollektor
Bei diesem
Kollektortyp ist der Absorber in einem flachen, wärmegedämmten
Gehäuse untergebracht, das mit einer Glasplatte verschlossen
wurde. Flachkollektoren sind meist nicht evakuiert, so daß
Wärmeverluste durch den Transport von Luft entstehen. Ihre
Produktionskosten und somit die Preise sind deutlich niedriger als
die der Vakuum-Röhrenkollektoren.

Geschichte
der Solarenergie und Solartechnik
Die
Wertschätzung der Solarenergie reicht weit zurück: In
nahezu allen Kulturen, von den Ägyptern bis in die Neuzeit,
findet sich ein mehr oder weniger ausgeprägter Sonnenkult.
Erste Ansätze passiver Nutzung sind bereits in der Architektur
der alten Ägypter, in Mesopotamien und den frühen
südamerikanischen Hochkulturen zu entdecken. Die aktive Nutzung
der Sonnenenergie ist jedoch eine Errungenschaft der Neuzeit.
Henry Becquerel,
ein französischer Physiker, entdeckte 1839 den Photoeffekt und
schuf so die Voraussetzungen für die Solarzellen von heute.
Ende des 19. Jahrhunderts baute Charles Fritts so genannte
Vakuum-Fotozellen mit aufgedampfter Selen-Schicht. Diese wurden als
Belichtungsmesser eingesetzt. Solarzellen aus Silizium sind noch
recht neu: Sie wurden in den 50er Jahren des 20.Jahrhunderts von dem
US-Konzerns Bell hergestellt und wiesen einen Wirkungsgrad von 6%
auf. In den letzten Jahrzehnten wurde die Photovoltaik stetig
weiterentwickelt, besonders im Umfeld der Raumfahrt-Technologie.
Das Prinzip der
Solarthermie wird seit langem angewandt: Brenn- und Hohlspiegel gab
es schon in der Antike. Im 18. Jahrhundert erfand der Naturforscher
Horace-Bénédict de Saussure die Vorläufer der
heutigen Solar-Kollektoren. Die günstigen Preise fossiler
Energieträger und die verbreitete Skepsis bezüglich der
Sonneneinstrahlung in Mitteleuropa waren bis in die 70er Jahre
Gründe für deren geringe Verbreitung. Seit der ersten
Ölkrise entwickelt sich die solare Warmwasserbereitung und
Heizungsunterstützung zum Standard umweltbewussten Bauens.

Globalstrahlung
Bezeichnet die
auf eine horizontale Fläche auf der Erde treffende
Sonneneinstrahlung. Sie setzt sich aus der direkten Strahlung und
der Reflektionsstrahlung (z.B. von Schneefeldern) zusammen.
Indach-Montage
Die Solarmodule
bzw. Kollektoren werden in die Dachhaut integriert.

Kollektor
wandelt mittels
eines Absorbers die Sonnenstrahlung in Wärme um, die für
Heizung, Brauchwassererwärmung oder thermische Lüftung
genutzt werden kann. Sonnenkollektoren sind neben Speicher und
Regelung die wichtigste Komponente einer thermischen Solaranlage.

Konversion
Umwandlung von
Energie, z.B von Licht in Wärme (Solarthermie).

Ein einfaches Beispiel aus der
Solarthermie: Ein Schwimmbad wird solar erwärmt, das Wasser
wird als Trägermedium genutzt. Eine (elektrische) Pumpe sorgt
für die Zirkulation.
Low-Flow-System
(Solarthermie)
In sogenannten
Low-Flow-Systemen (low-flow, engl = langsam fließen)
zirkulieren weniger als 25 Liter Wärmeträgerflüssigkeit
pro m2 Kollektorfläche (high-flow= 50-60 Liter). Ermöglicht
wird die Verringerung der Umwälzmenge durch leistungsfähigere
Kollektoren: Geringere Wärmeverluste erlauben höhere
Temperaturdifferenzen zwischen Kollektor und Speicher - es muss
weniger Flüssigkeit transportiert werden, um die gleiche Menge
an Energie zu den Wärmeabnahmestellen zu führen.
Nahezu alle
thermischen Solaranlagen, die dem heutigen Stand der Technik
entsprechen, können als Low-Flow-Systeme genutzt werden,
leistungsfähige Bauteile erlauben eine deutliche Reduktion der
Umwälzmenge (Vgl. Müller, F.U.: Thermische Solaranlagen,
1997). Auf dem Markt werden aber auch spezielle Anlagen mit eigens
optimierten Speichern und Wärmetauschern angeboten.
Vorteile der
Low-Flow-Systeme: Dünnere und somit billigere Steigleitungen
können verlegt werden. Diese verlieren ebenfalls weniger Wärme
und senken zusammen mit dem geringeren Füllinhalt die
Gesamtkosten der Solaranlage.
Luftkollektoren
In Luft- oder
Warmluftkollektoren wird anstelle einer Trägerflüssigkeit
Luft als Transportmedium
Verwendet- Die
Sonnenenergie wird in Behältern gespeichert, die z.B. mit Kies
gefüllt sind. Vorteile bietet diese Lösung durch den
Wegfall von Korrosionsproblemen, im Gegensatz zu den
Wasserkollektoren entfallen auch die Probleme Einfrieren bzw.
Überhitzung. Luft ist ein schnell reagierendes Trägermedium
und das Speichermedium Stein ist günstig zu erwerben. Dennoch
sind solche Kollektoren wegen der geringen Speicherkapazität
der Luft nicht sehr weit verbreitet. Probleme bereitet auch die
Regulierung von Solaranlagen mit Luftkollektoren.
Optimale
Ausrichtung einer Solaranlage
Eine Solaranlage
sollte nach Süden ausgerichtet sein, muss aber nicht unbedingt
exakt in Südrichtung montiert werden. Auch wenn
Sonnenkollektoren auf einem Dach montiert werden, das bis zu 30°
von der Südausrichtung abweicht, führt dies nur zu
geringen Einbußen. Die Kollektoren können im Bereich von
20° bis 60° geneigt sein. Kleinere Neigungswinkel erhöhen
die Energieausbeute im Sommer, bei größeren
Neigungswinkeln ist die Ausbeute im Winter höher.

Passive
Solarenergienutzung
Das Haus selbst
oder Teile davon werden als Kollektor genutzt. Typisches Beispiel
ist der verglaste Wintergarten. Die Glashülle verhindert
Wärmeverluste des beheizten Gebäudeteils und trägt so
zur Reduzierung des Energieverbrauchs bei. Die durch die Sonne
erwärmte Luft kann beim Lüften über den Wintergarten
zur Raumheizung genutzt werden.

Regenerative
Energien
Als regenerative
oder erneuerbare Energien bezeichnet man die Energiequellen oder
Energieträger, die sich auf natürliche Weise in
menschlichen Zeitmaßstäben erneuern. Sie stehen im
begrifflichen Gegensatz zu fossilen (Kohle, Erdöl, Ergas) und
atomaren (Uran) Energieträgern, die sich im Laufe von
Jahrmillionen in geologischen Prozessen gebildet haben. Die Erdwärme
kann zwar nicht zu den regenerativen Energien gezählt werden,
ihre Nutzung wird ihnen aber gleichgestellt.
Regenerative
Energien sind auf die Sonnenstrahlung zurückzuführen:
Wind, Wasserkraft und Biomasse. Die Sonnenstrahlung wird direkt
durch Kollektoren gewonnen, Wind durch Rotoren, Wasserkraft durch
Strömungs- und Gezeitenkraftwerke. Energie aus Biomasse wird
durch Verbrennung (Holz) oder Vergärung bzw. Vergasung (Silage,
Gülle) gewonnen.
Regenerative
Energien stehen überall zur Verfügung und können in
einem den jeweiligen Verhältnissen angepassten Energie-Mix
genutzt werden. Dies ist ökologisch sinnvoll, sozial
verträglich und fördert die wirtschaftliche Flexibilität
und Innovation. Das seit April 2000 in Deutschland gültige
Erneuerbare-Energien-Gesetz hat zum Ziel, den Anteil regenerativer
Energien am gesamten Energieverbrauch bis zum Jahre 2010 zu
verdoppeln.
Schwerkraftanlage
Normalerweise
kommt der Kollektor aufs Dach und der Speicher in den Keller. Das
bedeutet, dass eine Umwälzpumpe die Trägerflüssigkeit
vom Speicher zum Kollektor transportieren und den Solarkreislauf in
Gang halten muss.
Schwerkraft-Anlagen
funktionieren anders: Hier wird auch der Speicher auf dem Dach oder
unter dem Dach montiert - auf jeden Fall aber oberhalb des
Kollektors. So wird es möglich, die Schwerkraft für den
Solarkreislauf zu nutzen.
Das Prinzip ist
ganz einfach: Die Strahlung der Sonne erwärmt im Kollektor die
Solarflüssigkeit, deren Dichte mit der Erwärmung abnimmt.
Sie wird leichter und steigt - entsprechend dem Gesetz der
Schwerkraft - in den Leitungen nach oben. Eine zusätzliche
Pumpe erübrigt sich. Auch auf die Regelung kann verzichtet
werden, denn die Sonne steuert den Fluss des Trägermediums:
Scheint sie, steigt die erwärmte Trägerflüssigkeit in
den Steigleitungen nach oben. Dort heizt sie den Speicher, in dem
sich das Brauchwasser befindet, über einen großflächigen
Mantel-Wärmetauscher auf. Die abgekühlte Solarflüssigkeit
fließt wieder zum Kollektor zurück - der Kreis schließt
sich.

Selektive
Beschichtung
Um Verluste
durch Wärmeabstrahlung zu vermindern, sind hocheffiziente
Absorber mit einer selektiven Beschichtung aus Schwarzchrom oder
Schwarznickel versehen. Diese ermöglicht die Aufnahme eines
hohen Anteils der kurzwelligen Sonnenstrahlung und deren Umwandlung
in Wärme – gleichzeitig wird die Emission (Abstrahlung)
der langwelligen Wärmestrahlung des Absorbers beträchtlich
reduziert.
Solararchitektur
Die
Solararchitektur integriert Elemente passiver wie aktiver Nutzung
der Sonnenenergie und kombiniert diese mit Maßnahmen zur
Vermeidung von Wärmeverlusten. Ziel: Niedrig-, Nullenergie-
oder Plusenergiehäuser.

Umfassende Informationen
zur Geschichte des solaren Bauens: Sol Power.
Prestel
Verlag
Solare
Kühlung
Herkömmliche
Klimaanlagen und Kühlschränke arbeiten mit elektrisch
betriebenen Kompressoren, die einen um so höheren Energiebedarf
haben, je wärmer die zu kühlende Luft ist. Die Grundidee
solarer Kühlung besteht darin, die „überschüssige“
Sonnenenergie zur Kühlung von Gebäuden oder Geräten
gerade in der heißen Tageszeit zu nutzen. Solare Kühlung
spart Strom und hat, anders als bei der solaren Heizung, kein
Speicherproblem: Der Kühlbedarf steigt und fällt nahezu
zeitgleich mit dem Angebot an Sonnenenergie.
Je nach
Anwendung werden bei der solaren Kühlung verschiedene Verfahren
eingesetzt. Kühlschränke können nach dem Prinzip der
Wärmepumpe oder nach thermoelektrischen Verfahren betrieben
werden. Gebäude und Räume werden gekühlt, indem man
der warmen Raumluft durch Adsorption an geeigneten Materialien
Wasser entzieht und sie damit kühlt (Verdunstungskälte).
Damit die Adsorptionsmaterialien wieder Feuchtigkeit aufnehmen
können, werden sie durch Wärme getrocknet, die der
Sonnenkollektor liefert. Der gleiche Sonnenkollektor kann also im
Sommer zur Kühlung und im Winter zur Heizungsunterstützung
eingesetzt werden.
Während
solare Wärmegewinnung in aller Munde ist, werden die
Möglichkeiten solarer Kühlung in der allgemeinen
Diskussion unterschätzt und finden sich auch kaum in der
populären Literatur in Deutschland. Zumindest in tropischen und
subtropischen Gegenden steht der solaren Klimatisierung eine große
Zukunft bevor.
Solarfassaden
Sonnenenergie
wird nicht nur vom Dach, sondern von der gesamten Gebäudehülle
aufgenommen. Werden alle nach Osten, Süden und Westen
ausgerichteten Fassaden eines Gebäudes zur Energiegewinnung
genutzt, kann sogar aus dem Haus als Energieverbraucher ein
Energielieferant werden (Energiegewinnhaus, Plusenergiehaus).
Solarfassaden
können mit Photovoltaikmodulen, Heizkollektoren,
Luftkollektoren, Wabenluftkollektoren oder transparenter
Wärmedämmung ausgestattet sein. Auch eine großflächig
vorgehängte Verglasung, wie sie zur Klimatisierung von
Bürogebäuden verwendet wird oder eine einfache Verglasung
von Balkonen zu Wintergärten kann als Solarfassade verstanden
werden. Eine einheitliche Technik für Solarfassaden gibt es
nicht. Je nach Gebäude und Zielstellung ergeben sich
unterschiedliche Lösungen, die über die Fassade hinaus
zumindest die Heizung, Lüftung und Klimatisierung des Gebäudes
mit einbeziehen.
Architektonisch
innovative Solarfassaden findet man beim Neubau genauso wie bei der
Altbausanierung. Bekannte Beispiele sind der Freiburger
Hauptbahnhof, die Stadtwerke Göttingen oder das Haus Lambrecht
in Rottenburg-Seebronn. Der weltberühmte Architekt Sir Norman
Foster stattet viele seiner Gebäude mit Solarfassaden aus.
Historische Beispiele großartiger Solarfassaden finden sich
beim Straßburger Münster, der Mirihmah-Moschee in
Istanbul und dem Schloss Sanssouci in Potsdam.

Solarregelung
Die
elektronische Regelung einer thermischen Solaranlage steuert die
Umwälzpumpe. Sie setzt diese in Gang, wenn die Temperatur in
den Kollektoren höher ist als im Brauchwasserspeicher und
Wärmegewinne erzielt werden können. Liegt die
Kollektortemperatur außerhalb eines vorgegebenen
Temperaturbereichs, wird die Umwälzpumpe abgeschaltet, z. B.
wenn die Temperatur in den Kollektoren gegenüber der Temperatur
im Speicher abnimmt.
Solarthermie
Die Umwandlung
von Sonnenstrahlung in direkt nutzbare Wärme. Teilgebiete sind
die passive Solarnutzung beim solaren Bauen, die
Standard-Solartechnik zur Erwärmung von Brauchwasser und zur
Raumheizung und die Parabolspiegel zur industriellen Erzeugung von
Prozeßenergie und Elektrizität.
Sonneneinstrahlung
Die
Sonneneinstrahlung setzt sich aus der Strahlung, die direkt von der
Sonne kommt und mehreren indirekten Anteilen zusammen. Hierzu zählen
die Reflexionsstrahlung der Umgebung, besonders stark reflektieren
z.B. Schneeflächen, die Strahlung des blauen Himmels und
sonstige diffuse Strahlung. Für die genaue Berechnung der
Energie, die auf eine Fläche trifft, ist der Winkel zwischen
Sonnenstrahl und Fläche entscheidend. Dieser ändert sich
je nach Tages- und Jahreszeit. Die Einstrahlung wird durch mehrere
Faktoren eingeschränkt; selbst bei strahlend blauem Himmel
kommen nur etwa 90% der gesamten Sonnenenergie an.

Karte
der Bundesrepublik Deutschland: Mittlere Jahressummen der
Globalstrahlung.
Deutscher
Wetterdienst
Speicher
Allg.: Das
Mittel (Medium) zur Überbrückung der zeitlichen Differenz
zwischen Sonneneinstrahlung und Energieverbrauch:
Photovolataikanlagen speichern den gewonnenen Strom in Akkus,
thermische Solaranlagen speichern die gewonnene Wärme nach dem
Prinzip der Wärmeschichtung (warmes Wasser hat ein geringeres
spezifisches Gewicht als kaltes Wasser) in - meist stehenden -
Warmwasserspeichern.

Stirlingmotor
Der schottische
Pfarrer Robert Stirling ließ 1816 einen Heißluftmotor
patentieren, dessen Antriebsenergie nicht wie beim Otto- oder
Dieselmotor durch Verbrennung innerhalb des Arbeitszylinders erzeugt
wird, sondern dem Wärme als Antriebsenergie von außen
zugeführt wird. Die beiden miteinander gekoppelten Zylinder des
Stirlingmotors sind gasdicht geschlossen und mit einer konstanten
Menge Arbeitsgas (Helium) gefüllt. Ein Zylinder wird von außen
erhitzt, der andere bleibt kühl. Die Druckdifferenz zwischen
beiden Zylindern treibt zwei miteinander verbundene und
phasenverschoben arbeitende Kolben an. So kann das gekühlte Gas
wieder in den heißen Zylinder geschoben werden, sich dort
ausdehnen, den Kolben antreiben und so fort.
Seit sich
Forschung und Technik verstärkt mit der Nutzung regenerativer
Energien befassen, ist die alte Technik des Heißluftmotors
wieder ins Blickfeld geraten. Ein Stirlingmotor kann direkt vom
Sonnenkollektor erhitzt werden oder als Motor in einem
Blockheizkraftwerk (BHKW) arbeiten, das Wärme und Strom
zugleich erzeugt, arbeiten. Er läuft sauber, geräuscharm,
ruhig und wartungsfrei und erreicht schon bei einer elektrischen
Leistung ab 1 Kilowatt sehr gute Wirkungsgrade.
Bisher blieb der
Heißluftmotor mehr ein Objekt für Tüftler und
Bastler als für die industrielle Anwendung. Kleinmotoren für
BHKW sind ab 2002 serienmäßig lieferbar. In Kombination
mit Solaranlagen und Biomasse-Heizungen gilt der Stirlingmotor als
dezentral einsetzbares Elektrizitätskraftwerk der Zukunft.

Tests
von Solaranlagen
Kollektoren,
Module, Komponenten und komplette Anlagen werden von Hochschulen,
Zeitschriften und anderen Einrichtungen untersucht. Die Ergebnisse
sind auf verschiedenen Wegen zugänglich, teils kostenlos, teils
gegen Gebühr.
Die
umfangreichsten Tests solarthermischer Anlagen bietet das Institut
für Solartechnik, Prüfung und Forschung (SPF) an der
Hochschule Rapperswil (HSR), Schweiz. Das SPF genießt einen
internationalen Ruf als Forschungs- und Prüfinstitut. Seit mehr
als zehn Jahren arbeitet das Institut mit vier Schwerpunkten:
Kollektoren, Systeme, Materialien sowie Software zur Berechnung und
Optimierung von Kollektorsystemen.

Ökotest Sonderheft
Energie 2000
Ökotest
Verlag
Vakuumröhrenkollektor
Bei dieser
Bauform befindet sich der Absorber in einem luftleeren (evakuierten)
Glasrohr, wodurch die Energieverluste im Vergleich zum
Flachkollektor weiter reduziert und Temperaturen bis 150 Grad
Celsius erreicht werden können. Wegen des hohen Wirkunsgrades
arbeiten Vakuumkollektoren auch bei leicht bedecktem Himmel.

Wandheizung
Fußboden-
und Wandheizungen erzeugen im Gegensatz zu den üblichen
Heizkörpern mehr Strahlungs- als Konvektionswärme.
Heizkörper erwärmen den Raum durch Umwälzung der Luft
von unten nach oben und bewegen dadurch ständig Staubpartikel
und Mikroorganismen. Die Fußboden- und Wandheizungen geben
hingegen überwiegend Strahlungswärme ab. Dies wird, wie
man es vom Kachelofen her kennt, als angenehmer empfunden und ist
baubiologisch sowie hygienisch vorteilhafter.
Fußboden-
und Wandheizungen bestehen aus feinen, großflächig
verlegten Rohrsystemen. Sie verlaufen meist in Gipskartonplatten an
den Innenwänden oder unter dem Fußbodenbelag und müssen
auf der dem Raum abgewandten Seite wärmegedämmt sein. Weil
der Installationsaufwand ist höher ist, nicht alle
Fußbodenbeläge, beispielsweise Teppichböden,
geeignet sind und oft keine freie Wandflächen zur Verfügung
stehen, sind diese Heizsysteme nur wenig verbreitet.
Dabei sind Wand-
oder Fußbodenheizungen energetisch deutlich vorteilhafter. Die
Raumtemperatur kann um 2-3°C abgesenkt werden, da der
menschliche Körper die Strahlungswärme sofort wahrnimmt.
Vor allem aber werden Fußboden- und Wandheizungen mit
niedrigen Vorlauftemperaturen von 25 bis maximal 55°C betrieben.
Sie können somit sehr gut mit thermischen Solaranlagen
kombiniert werden, die solche Temperaturen bei ausreichender
Speicherkapazität fast das ganze Jahr über erreichen.
Die Rohrsysteme
der Fußboden- und Wandheizung könnten auch zur
Raumkühlung eingesetzt werden.
Wärmetauscher
Die vom
Kollektor absorbierte Energie wird durch den Wärmetauscher vom
Primär- oder Kollektorkreislauf an einen Sekundärkreislauf
(Brauchwasser, Heizung) übertragen.
Wärmetauscher
benötigen für einen hohen Wirkungsgrad eine große
Fläche und einen geringen Wärmewiderstanswert. Dies
erreicht man durch spiralenförmig verlegte Rohre aus Kupfer
oder mit Rohrbündel.

Zukunft
Wie die Welt in
Zukunft aussieht, hängt im wesentlichen davon ab, wie wir heute
mit unserer Umwelt umgehen. Zukunft ist also nichts, was sich von
alleine entwickelt. Vielmehr hat der Mensch mit den zunehmenden
Kenntnissen über die ökologischen Zusammenhänge die
Möglichkeit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und
damit die Zukunft so zu gestalten, daß sie lebenswert bleibt.
So trägt jeder einzelne durch umweltbewußtes Verhalten
zur Gestaltung der Zukunft bei. Wer den Naturhaushalt insgesamt
retten will, darf nicht darauf verzichten, die Natur vor der eigenen
Haustür und hinter dem Haus in Ordnung zu halten. Denn die
kleinsten Ursachen in der Ökologie haben große und
vielfach noch unbekannte Wirkungen in der Zukunft.
|