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Holzpellet-Produktion

Solarfreunde besichtigten Holzpellet-Produktion und "Rottaler Modell"

Bericht zur Fahrt nach Falkenberg und Landau am 4. Mai 2002

Als voller Erfolg erwies sich die Besichtigungsfahrt der Solarfreunde Moosburg am vergangenen Samstag. Auf dem Programm standen die Holzpellet-Produktion der Firma Haas in Falkenberg und die Biomüllvergärung in Landau nach dem Rottaler Modell. Niederbayern zeigte dabei wieder einmal, so Solarfreunde-Vorsitzender Hans Stanglmair, dass es in puncto Energie in Fachkreisen zurecht als eine der innovativsten Regionen in Bayern gilt. Das Heizen mit Holzpellets wird aus Sicht der Solarfreunde vor allem im Moosburger Stadtbereich immer attraktiver. Biogas dagegen bietet für die örtlichen Landwirte und für die Stadt selbst (Kläranlage) interessante wirtschaftliche und ökologische Chancen.

Erste Station war das Betriebsgelände der Firma Haas Fertigbau in Falkenberg bei Eggenfelden. Das erst gut 30 Jahre alte Unternehmen hat sich, so Stefan Mayerhofer, zuständig für Betriebsablauf und Führungen, von einer kleinen Zimmerei zu einer an 26 Standorten in ganz Europa tätige Unternehmensgruppe gemausert. Die über 3.000 Mitarbeiter decken eine große "Vielfalt des Bauens" ab vom Ingenieurbau über Fertighäuser (incl. Niedrigenergie- oder Passivhaus) bis hin zu Treppen, Fußböden oder Fenstern, alles überwiegend mit dem Rohstoff Holz. Allein in Falkenberg werden jährlich ca. 70.000 m3 Schnittholz verarbeitet. Hierfür sind laut Mayerhofer auch beträchtliche Mengen Strom und Wärme erforderlich, wobei er allerdings genauere Zahlen mangels betrieblicher Umweltbilanz nicht nennen konnte. So lag es nahe, die zahlreichen Schleif- und Hobelspäne energetisch zu nutzen. Während Holzabfälle aus der Leimholzverarbeitung im firmeneigenen Heizkraftwerk in Strom und Wärme verwandelt werden, landen die unbehandelten Hobelspäne seit letztem Jahr in der für 0,9 Mio. Euro errichteten Holzpellet-Produktion. So wurden aus Reststoffen, die bis dato zu Billigstpreisen oder gar gegen "Entsorgungsprämie" abgegeben wurden, ein gewinnbringender und umweltfreundlicher Energieträger. Mayerhofer jedenfalls sieht für die Holzpellets ein enormes Potenzial: "Die Restholzmengen im Markt sind gigantisch." Mit der Pelletieranlage hat Haas als einer der ersten in Südbayern darauf reagiert: In dem unauffälligen, 4-geschossigen turmähnlichen Gebäude sind - von oben nach unten - ein Spänevoratsbehälter, die Mischung und Befeuchtung, die rotierende Matrizenpresse, die Kühlung und die Siebung untergebracht. Die fertigen Holzpellets wartend anschließend in einem Silo auf ihre Abholung durch den Tankwagen. Beeindruckt zeigten sich die Besucher von den robusten, vergleichsweise einfach aufgebauten Maschinen und Verfahren, die eine stabile, leicht verständliche und gefahrlose "Low Tech" darstellen. Obwohl die Pelletieranlage mit derzeit ca. 8.000 Jahrestonnen noch nicht ganz ausgelastet ist, schlagen die eigentlichen Investitionskosten mit nur umgerechnet etwa 1 Cent pro kg Holzpellets zu Buche. Der Großteil der Kosten bis zum Endverbraucher liegt im Personalaufwand, schafft also heimische Arbeitsplätze. A propos Aufwand: Mit ca. 2 % beträgt der Energieaufwand zur Herstellung der Holzpellets nur einen Bruchteil des Brennwertes. Eine weitere neue Erkenntnis der Besichtigung war, dass Holzpellets heute aus technischen Gründen doch nicht ganz ausschließlich aus Holz bestehen: Zur Stabilisierung setzt Haas ca. 1,5 % Stärke (Roggenmehl) zu. Der dadurch verminderte Abrieb verbessert das Handling bei Transport, Lagerung und Verbrennung erheblich. Firmengründer und -leiter Xaver Haas, der die Gäste zum Abschluss über seine persönlichen Erfahrungen mit der Holzpellet-Heizung informierte, traut diesen "kleinen Kraftpaketen" jedenfalls auch in Deutschland eine Menge zu. Ähnliches, so das Fazit der Besucher, könne man wohl auch über die Firma Haas sagen.

Eine ganz andere Welt tat sich für die Solarfreunde auf dem Rückweg beim zweiten Exkursionspunkt auf: Mitten in einer von konventioneller Landwirtschaft und intensiven Gemüseanbau geprägten Landschaft hat sich Franz Hartmann zusammen mit einem Partner eine ungewöhnliche Einkommensquelle erschlossen und damit der Landwirtschaft im Ganzen und der Energieproduktion aus Biomasse ganz neue Perspektiven eröffnet. In Kleegarten bei Landau vergärt er seit nunmehr vier Jahren Bioabfälle aus der "grünen Tonne" und aus der Gemüseproduktion sowie in geringem Umfang Schweinegülle zu Biogas und Kompost. Internationale Bekanntheit erlangte dieses sogenannte "Rottaler Modell" als dezentrales Projekt der Expo 2000, was für Hartmann zu einer Fülle von Besichtungswünschen und aktuell zum Bau einer großen Biomüllvergärung in Thailand geführt hat. Das Geschäft, so Hartmann, läuft gut, erfordert allerdings auch vollen Einsatz. Auslöser war ein Dilemma, wie es heute wohl für viele Landwirte besteht: Der Hof war in seiner damaligen Struktur zum Leben zu wenig, zum "Sterben" zu viel. Anstatt massiv in eine Ausweitung der Schweinezucht zu investieren, entschied sich Hartmann für den Biomüll. Aus damals 1.500 vertraglich vereinbarten Jahrestonnen wurden inzwischen über 6.000 Tonnen, eine Folge der zunehmenden Akzeptanz der Biotonne im ländlichen Raum. Speziell der typische Rasenschnitt, der wegen seines hohen Energiegehalts sehr geschätzt wird, hat auffallend zugenommen. Ein echtes Ärgernis stellen die "Fehleinwürfe" in die Biotonne dar: Bei der manuellen und maschinellen Sortierung kommen täglich 6 - 7 m3 Restmüll zutage, vom Flaschenkorken über Gartenscheren bis zu Autoteilen. Die Investitionen für die Halle, die beiden Gärbehälter, Maschinen, Pumpen und Motoren betragen mittlerweile rd. 900.000 €. Die wichtigsten Mitarbeiter sind für Franz Hartmann jedoch nicht die 9 Teilzeitbeschäftigten an der Sortieranlage, sondern "seine" Bakterien. Seine Schilderung über die Behandlung einer Viehseuche im Schweinestall verbreitete eine gehörige Portion Nachdenklichkeit: Nach der Verabreichung von Antibiotika führte die beigemischte Schweinegülle innerhalb kürzester Zeit zum Absterben der Biogasbakterien, ein Phänomen, das sicherlich nicht nur für Schweineausscheidungen gilt. Deutlich wurde bei der Besichtigung auch, wie sich die Anforderungen an die Sicherheit und Gesundheit in den letzten Jahren laufend verschärft haben und immer wieder Anpassungen erforderlich machen. Wer im Geschäft bleiben will, so Hartmann, muss sich dem Wandel der Zeit stellen, z.B. durch penible Dokumentation sämtlicher Betriebsabläufe, laufende biologisch-chemische Überprüfungen oder aktuell bei der Verlagerung des Gasbehälters ins Freie. Für die Zukunft plant Hartmann einen weiteren Ausbau der Stromproduktion von derzeit 240 kW auf bis zu 400 kW. Die entstehende Abwärme wird bisher nur zum Beheizen der beiden Gärbehälter (38 bzw. 55 Grad) genutzt. Hier will Hartmann künftig Trocknungs- oder Kühldienstleistungen anbieten, z.B. für die Holzwirtschaft. Daneben stehen die Verwertung der nicht vergärbaren holzigen Abfälle, der Anbau von Energieholzplantagen im Kurzumtrieb oder die Vermarktung des ausgegorenen und abgepressten Substrats im Landschaftsbau als Torfersatz auf seiner Agenda. Hartmanns Partner wird übrigens mit einer innovativen indischen Holzvergaseranlage auch an den Moosburger Solartagen teilnehmen. Bezeichnend fiel denn auch Hartmanns Schlusswort aus: "Wer sich als Landwirt heute beklagt, dem fällt einfach nichts ein."

Adressen:
Haas Fertigbau GmbH
Industriestraße 8
84326 Falkenberg
Tel. 08727/18-0

Franz Hartmann
Kleegarten
Nepomukweg 30
94405 Landau
Tel. 09951/90094

 


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