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Sonnwendausflug 2002

Solarfreunde besichtigen Kloster Benediktbeuern

Klöster gelten landläufig als eher konservativ oder gar als Relikt aus früheren Zeiten. Dass sie jedoch heute wie damals Zentren der Kultur und des Fortschritts sein können und Weg weisende Impulse für die Zukunft geben, davon konnten sich die Solarfreunde bei ihrem Vereinsausflug am letzten Samstag überzeugen.

Als die 13 Moosburger Solarfreunde mit ihren Familien direkt vor dem Kloster aus dem Zug stiegen, sah es zunächst nach Regen aus, doch bereits nach einem kurzen Besuch der herrlichen barocken Basilika hatten sich alle dunklen Wolken verzogen. Das "Zentrum für Umwelt und Kultur" (ZUK) im Kloster veranstaltete an diesem Tag einen "Tag der offenen Natur" mit einem breiten Programm an Fachführungen. Für die Solarfreunde stand zunächst eine Führung durch den rd. 150 Arten aufweisenden Kräutergarten des Klosters auf dem Programm. Anni Madl erläuterte in unnachahmlicher Weise fachkundig und humorvoll die jeweiligen Wirkstoffe und Anwendungsbereiche. Ihre Jahrzehnte langen Erfahrungen mit der "Heilenergie" der Kräuter führten immer wieder zu Aha-Erlebnissen und angeregten Diskussionen.
Ernster wurde es, als Martin Blösl (Leiter der Erwachsenenbildung im ZUK) die Besucher durch die neue Energiezentrale führte. Im Jahr 2000 erforderten die baulichen und gebäudetechnischen Verhältnisse sowie die zunehmenden Aktivitäten des Klosters im Bereich des ehemaligen Meierhofes eine grundsätzliche Neuausrichtung der Energieversorgung für die rd. 600 Dauerbewohner und jährlich 73.000 Übernachtungsgäste. Herausgekommen ist eine beispielgebende Kombination aus Erneuerbaren Energien, in der die zwei Heizölkessel nur noch eine Nebenrolle für besondere Spitzen- oder Stillstandszeiten spielen.
Die pro Jahr benötigten 850.000 kWh Strom werden zu 70 % von zwei Kleinwasserkraft-Turbinen, einem Pflanzenöl-BHKW sowie einer kleinen Solarstromanlage mit CIS-Dünnschichtzellen abgedeckt. Dabei wird das Pflanzenöl-BHKW mit seiner Leistung von 20 kWel und 35 kWth als Grundlast gefahren, um durch eine hohe Jahresstundenzahl auch wirtschaftlich gut abzuschneiden. Den restlichen Strom liefert das öffentliche Netz.
Den größten Batzen macht jedoch der Wärmebedarf mit rd. 4,3 Mio. kWh im Jahr (entspricht ca. 440.000 l Heizöl) aus. 85 % davon stellen wiederum die erneuerbaren Energien bereit, allen voran der 900 kW-Hackschnitzelkessel sowie das Pflanzenöl-BHKW. Kleinere Beiträge liefern 60 m2 Solarkollektoren und eine 9 kW-Luft-Wasser-Wärmepumpe. Zusammen ergibt dies eine jährliche Einsparung von ca. 370.000 l heizöl oder umgerechnet 1.200 t CO2. Die gesamte Wärme wird über ein Nahwärmenetz zu den verschiedenen Gebäudekomplexen geführt und gelangt über Hausübergabestationen zu den einzelnen Verbrauchern.
Das Kloster verfolgt damit gleich mehrere Ziele: Einserseits soll Energie umweltfreundlich erzeugt, andererseits aber auch bewusst und sparsam genutzt werden. Gleichzeitig soll z.B. mit dem Einsatz von Waldhackschnitzeln oder Sägerestholz die Wirtschaftskraft der Region gestärkt werden. Wie es sich für ein Kloster gehört, kommt aber auch die Wirtschaftlichkeit nicht zu kurz: Dank der gestiegenen Heizölpreise und der Stromeinspeisevergütungen nach dem EEG ist die 2,8 Mio. Euro-Investition nach Aussage Bösls auch finanziell sinnvoll. Die darin enthaltenen Mehraufwendungen für die besonders "öffentlichkeitswirksame" Bauweise der Energiezentrale sind jedenfalls für die Zwecke der Umweltbildung sehr gut angelegt.
Aus Sicht der Solarfreunde, so Vorsitzender Hans Stanglmair, sei es jedenfalls überaus bemerkens- und anerkennenswert, wie hier ein bestehender Gebäudekomplex, der von der Personenzahl immerhin mit einem mittleren Baugebiet vergleichbar ist, derart engagiert und einfallsreich auf erneuerbare Energie umgestellt wurde. Und noch ist kein Ende abzusehen: Durch Maßnahmen zur Verbesserung der Bausubstanz sowie ein intelligentes Verbrauchsmanagement ließe sich zukünftige, so Stanglmair, der Anteil der "Erneuerbaren" sicherlich noch erheblich steigern. Auch die Abwärme der Energiezentrale, die Latentwärme der Abgase sowie - wenn auch eingeschränkt wegen Denkmalschutz - die großflächigen Dächer bieten noch erhebliche Reserven, ebenso eine evtl. Wiederaufnahme der Bioabfallvergärung. Das Kloster Benediktbeuern sei jedenfalls, so die einhellige Meinung der Moosburger, auf einem guten Wege, ein wahres "Energiebündel" zu werden und Schrittmacherfunktion einzunehmen. Ein Besuch des Klosters und des ZUK könne jedenfalls wärmstens empfohlen werden.

Den Abschluss des Tages bildete eine Wanderung zum nahe gelegenen Wildbach-Lehrpfad am Lainbach. Anhand der Schautafeln und der verschiedenen Verbauungen der Wasserwirtschaft konnten sich die Besucher ein gutes Bild machen von der enormen Kraft des ungezähmten Wassers, das in Benediktbeuern zuletzt 1990 verheerende Schäden anrichtete, in früheren Zeiten jedoch am abzweigenden Mühlbach auch zahlreichen Familien eine Existenzgrundlage bot.

Mit vielen neuen Eindrücken von diesem gleichermaßen gemütlichen wie interessanten Familienausflug machte sich die Moosburger Schar schließlich auf den Heimweg und schmiedete dabei bereits konkrete Pläne für den Vereinsausflug 2003.

 


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